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Bundesnetzwerktreffen Dresden : Auf dem Weg zur Nachhaltigkeit

By 5. Mai 2018

Unterstützung, die nah bei den Menschen ist, aber keine Bevormundung. Das brauchen Geflüchtete in 2018 – und werden es auch noch einige Jahre lang brauchen. Denn: „Das Risiko des Scheiterns auf dem Weg in die Normalität ist groß“, betonte Dr. Wilfried Kruse auf dem 2. Bundesnetzwerktreffen in Dresden (3.5.-4.5) – bei dem die Nachhaltigkeit des Projekts und vor allem die des Engagements in der Flüchtlingsarbeit im Zentrum stand. Wie können Migrantenorganisationen ihre Strukturen und ihre Arbeit so stabil in der Stadtgesellschaft verankern, dass Angebote bleiben und Migrantenorganisationen Politik vor Ort auf Augenhöhe mitgestalten? „Das kollektive Gedächtnis von Flucht und Migration ist ein Alleinstellungsmerkmal von Migrantenorganisationen“, sagte Kruse. „Es kann jetzt eine Phase beginnen, in denen Migrantenorganisationen die entscheidende Rolle bei der Integration in der Stadtgesellschaft spielen.“ Die detaillierte Auswertung der Städtedossiers steht hier.

Der Weg dahin hat für die Koordinator*innen aus den 32 Städten schon begonnen: Mit kommunalen Gesprächen, deren Ziel es ist, in Bielefeld eine Dienstleistungsstelle aufzubauen. Von der aus wollen Migrantenorganisationen in Bielefeld ihre Arbeit mit Geflüchteten künftig vernetzen und koordinieren. Oder mit der strukturellen Förderung der Landeshauptstadt Dresden, aus der beim samo.fa-Partner und Gastgeber Afropa e.V. mit dem Weltclub ein Ort für Beratung, Kultur und Vierteltreffpunkt eröffnet wurde – und gleichzeitig ein Verbund mehrerer Dresdener Migrantenvereine entstanden ist. Wie und womit Partner vor Ort die verschiedenen Zielgruppen Oberbürgermeister und kommunale Integrationsbeauftragte oder Akteure auf Landesebene ansprechen können, war intensiv diskutiertes Thema der drei Arbeitsgruppen. Die detaillierten Ergebnisse der Arbeitsgruppen stehen bald zum Download im internen Bereich.

 

Wissenkompakt bestimmte den zweiten Tag des Treffens. In zwei Blöcken diskutierten die Koordinator*innen nach kurzen Inputs mit Expert*innen über Themen und Fragen, mit denen sie in ihrer täglichen Arbeit zu tun haben: Asylgesetzgebung und Asylpolitik mit Dr. Sascha Krannich vom Forschungskolleg Siegen, den Umgang mit Rechtspopulismus und Rassismus mit Politikwissenschaftler Dr. Christian Demuth und die Frage, ob Islamische Gemeinden Partner oder Konkurrenten in der Flüchtlingsarbeit sind. Komplexe Fragen, für die es keine Standardantworten geben kann. Zum Beispiel beim Umgang mit Rechtspopulisten, der in vielen Städten großes Thema ist. „Wird der Zusammenhalt aller demokratischen Akteure für Toleranz und Vielfalt betont, nutzen Rechtspopulisten das, um sich als revolutionäre Alternative und Systemopfer zu inszenieren“, sagte Christian Demuth, der in Dresden den Verein Bürger.Courage gegründet hat. Er rät, bei der Argumentation gegen Rechtspopulismus auch andere Perspektiven als die linksliberale und weltoffene zu wählen. Statt auf den Wert Toleranz an sich zu verweisen, sollte in Diskussionen auf die schädliche Auswirkung von Rechtspopulismus beim Zusammenleben in der Nachbarschaft hingewiesen werden oder auf einen gemeinsamen Nenner wie: „alle sollen sich an die Regeln halten“.

Im zweiten Block ging es um Vielfalt im urbanen Alltag, Arbeitsmarktintegration und diskriminierungsfreien Umgang mit Wertekonflikten. Über die Konzepte, Strukturen und Rahmenbedingungen in der Landesflüchtlingspolitik berichteten Andreas Germershausen (Integrationsbeauftragter des Berliner Senats) und Sebastian Vogel (Leiter des Geschäftsbereiches der sächsischen Staatsministerin für Gleichstellung und Integration).

Im letzten Plenum ging es um Erinnerungsorte und gemeinsame Erzählungen und die Frage, wozu Ausstellungen zur Einwanderungen so wichtig sind – Ausstellungen wie „Hasan und die Enkel“, die mit der Eröffnung des Weltclubs in Dresden startete.

Partner vor Ort    III