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Internationaler Tag des Ehrenamtes

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„Ehrenamtliche sind das Fundament einer offenen Gesellschaft“

Zum Tag des Ehrenamtes (5.12. 2018) zieht der Bundesverband Netzwerke von Migrantenorganisationen (BV NeMO) Bilanz aus drei Jahren Arbeit im bundesweiten Projekt samo.fa: „Ehrenamtliche sind das Fundament einer offenen Gesellschaft“, sagt BV-NeMO-Vorsitzender Dr. Ümit Koşan. „Ihre ehrenamtliche Arbeit unterstützt Geflüchtete maßgeblich dabei, im neuen Alltag der Bundesrepublik anzukommen und Teil der offenen diversen Stadtgesellschaft der Zukunft zu werden.“

Im Projekt samo.fa arbeiten rund 10.000 Ehrenamtliche aus Migrantenorganisationen in der Flüchtlingshilfe. Am Ende des dritten Projektjahres sind etwa 20 Prozent der Ehrenamtlichen Geflüchtete, die selber im Projekt Unterstützung erfahren haben. Tendenz: steigend. „Das zeigt, wie nachhaltig das Engagement unser Aktiven wirkt“, sagt Koşan. „Es motiviert und stärkt die Menschen in den Projekten so, dass sie selbst aktiv werden und sich ehrenamtlich in die Gesellschaft einbringen, in der sie gerade erst angekommen sind.“

„Wir danken für dieses großartige Engagement: Es kommt an und verbessert Stück für Stück das Leben vieler Menschen“, sagt Ümit Koşan.

Unsere Ehrenamtlichen aus Hannover stellen sich vor:

„Wenn man neu in Deutschland ist, braucht man Hilfe“

Najib Ahmadi ist als 16-Jähriger aus dem Iran nach Deutschland geflüchtet. Auch dort war der Afghane Flüchtling, ist seit seiner  Kindheit mit der Familie  von einem Ort zum anderen gezogen – auf der Suche nach einem sicheren Leben. Heute engagiert sich der 20-Jährige Auszubildende in Hannover ehrenamtlich für andere Geflüchtete – weil er weiß, wie wichtig es ist, an einem Ort  wirklich anzukommen:

„Ich leite ein Fußballteam  für andere Geflüchtete. Ich spiele selbst sehr gerne Fußball mit den anderen. In unserem Team sind  viele wie ich Azubis und haben deshalb keine Zeit drei oder viermal  pro Woche in einem Verein zu spielen, das wird dort aber meistens verlangt.  Das MiSO Netzwerk aus Hannover hat uns dabei geholfen, eine Halle zu organisieren. Jetzt trainieren wir einmal in der Woche.

Wenn man neu in Deutschland ist, braucht man auch Hilfe beim Kontakt mit der Ausländerbehörde oder beim Arzt oder so etwas. Da helfe ich jetzt bei.  Als ich als Neuer hier ankam, wollte ich einfach einen Ort haben, wo  ich in Ruhe leben kann und zur Schule gehen. Seit ich ein kleines Kind bin, war ich immer unterwegs. Meine Mutter ist mit meiner Schwester, meinem Bruder und mir in den Iran geflüchtet, nach Deutschland kam ich aber allein.

Gerade wünsche ich mir am meisten, dass ich meinen Führerschein finanzieren kann. Den brauche ich in meinem Beruf. Ich bin jetzt im zweiten Lehrjahr KFZ  Mechatroniker und will danach auch den Meister machen.“

„Ich würde gerne ein ruhiges Leben haben“

Ehsam Hazara ist 19 Jahre alt und seit 2015 in Deutschland.  Er lebt in Hannover und macht dort eine Ausbildung zum KFZ-Mechatroniker. Er arbeitet ehrenamtlich als Übersetzer für andere Geflüchtete und will das damit zurückgegeben, was er selbst bekommen hat: Starthilfe beim Ankommen im Alltag in Hannover:

„Ich gehe mit Flüchtlingen, die noch nicht gut Deutsch können, zu Organisationen, die für sie zuständig sind. Auch zu Ärzten oder zum Einkaufen. Das haben andere auch für mich gemacht bei MISO, als ich neu war. Dafür will ich mich revanchieren. Als ich nach Deutschland kam, war es so wichtig, Deutsch zu lernen. Das Wichtigste. Jetzt habe ich viele Freunde hier, ehrlich, ich bin ein öffentlicher Mann. Ohne sie hätte ich keine Ausbildung gefunden, wirklich. Das möchte ich gerne weiterleiten an andere. Ich betreue außerdem eine Fußballmannschaft für Kinder.

Meine Zukunft? Ja, ich möchte ein ganz ruhiges Leben haben, nicht mehr. Meine Arbeit weitermachen. Und eine Wohnung finden, ich suche schon seit einem Jahr. Im Moment wohne ich in der WG vom Jugendamt, ich würde aber gerne alleine wohnen, weil ich ein bisschen Ruhe brauche. Ich muss mich konzentrieren, wenn ich meinen Meister machen will. Diese Theorie zu verstehen in einer anderen Sprache, das ist nicht so einfach.“

„Ich habe mich so fremd gefühlt“

Atefeh Daraby, 33 Jahre, ist vor vier Jahren aus dem Iran nach Deutschland geflohen. Heute arbeitet sie als Zeichnerin in einem Ingenieursbüro. In ihrem ersten Jahr in Deutschland hat sie sich jedoch fremd und isoliert gefühlt – und von wichtigen Informationen über Berufs- und Lebenswege im neuen Land abgeschnitten. Deshalb möchte sie Geflüchtete in Hannover bei Behördengängen und der Wohnungssuche begleiten:

„Also ehrlich: Ich habe nie ausreichende Informationen vom Jobcenter oder den anderen Behörden bekommen. Ich bin jetzt schon vier Jahre in Deutschland und  erst vor 2 Monaten habe ich erfahren, dass es überhaupt Umschulungen gibt. Zu spät ist es für mich vielleicht noch nicht, aber mit dem Wissen hätte ich ja früher anfangen können, etwas zu machen. Viele Leute haben überhaupt keine Ahnung von den Möglichkeiten in Deutschland: Sie sollten besser informiert werden  – vor allem von den Behörden. Die sind doch dafür zuständig, den Menschen zu helfen. Wenn man nicht viel Kontakt mit Deutschen hat oder mit Einrichtungen, die wie das MiSO-Netzwerk Geflüchtete unterstützten, braucht man die Hilfe von Behörden.

Im meinem ersten Jahr in Deutschland habe ich kein Deutsch gelernt. Ich hatte Depressionen und habe mich so fremd gefühlt.

Bei MiSO habe ich Hilfe bei der Suche nach einer Praktikumsstelle bekommen. Jetzt arbeite ich Vollzeit in einem Ingenieursbüro als Zeichnerin und in meiner Freizeit verbessere ich meine Sprache und erlerne das Programm, mit dem ich arbeite.

Für meine Zukunft habe ich viel in meinem Kopf. Ich habe Architektur im Iran studiert und mein Zeugnis nach Bonn ins Kulturministerium geschickt.  Glücklicherweise wurde es anerkannt. Ich könnte sogar einen Masterplatz an einer Uni oder Hochschule bekommen.“

Partner vor Ort    III