FreiburgGemeinsam im Alltag

„Gemeinsam im Alltag“ in Freiburg

By 26. September 2018

„Es ist wichtig, eine solche Konferenz zu veranstalten und das Engagement von Migrantinnen und Migranten sichtbar zu machen, gerade jetzt in der Zeit, in der wir immer deutlicher die Feindlichkeit sehen und spüren, wie beispielsweise letzte Woche in Chemnitz.“

So eröffnete die Moderatorin Yaoscar Padilla de Rothmund die samo.fa-Konferenz in Freiburg. Im Saal der Katholischen Akademie in Freiburg versammelten sich kommunale und lokale Vertreter*innen von verschiedenen Organisationen, Ehrenamtliche und Interessierte. Die Teilnehmer*innen wurden von dem FAIRburg-Gründer und Stadtrat Ibrahim Sarialtin und der Vorstandsvorsitzenden des Migrantinnen und Migrantenbeirats, Olena Neumann, begrüßt.

Der Interkulturelle Verein FAIRburg e.V. und der Beirat sind nur zwei Möglichkeiten, sich als Migrantin oder Migrant in Freiburg zu engagieren, partizipieren und sichtbar zu werden. Um diese Sichtbarkeit und das Zusammenleben im Alltag ging es in der lokalen Konferenz in Freiburg.

„Die ‚Mutter aller Integration‘ ist die Vernetzung“ hat Hans Steiner, stellvertretender Amtsleiter des Amts für Migration und Integration, sein Input über die Bevölkerung mit Migrationsgeschichte in Freiburg eingeleitet. Damit bezog er sich auf die aktuelle mediale Verunglimpfung von Horst Seehofer als Analyse der rassistischen Ausschreitungen in Chemnitz, der die Migration als „Mutter aller Probleme“ bezeichnet hat und sich spätestens damit als Innenminister disqualifiziert hat.

Anschließend wurde von Dr. Carmen Colinas sehr anschaulich die (fehlende) Sichtbarkeit von Menschen mit Migrationshintergrund in den Medien referiert. In der Medienwelt sind Menschen mit Migrationshintergrund unterrepräsentiert. Zudem reproduzieren Journalist*innen, die in der Berichtserstattung stereotype Bilder und Sprache verwenden, falsche Bilder. Wichtig ist die Bildauswahl: Nicht wiederholend die unterdrückte ‚Kopftuchfrau‘ ohne Gesicht und das gefährliche Sprach-Bild vom „vollen Boot“. „Es ist Quatsch, eine Nation als ein Boot zu imaginieren, das untergehen könnte. Dieses rassistische Bild reproduzieren wir auch, wenn wir sagen: ‚Das Boot ist noch nicht voll.’“ Sie rät zur Normalisierung: Medien sollen die Realität abbilden und Migrant*innen auch als Ärzt*innen, Biolog*innen oder sonstige Expert*innen zeigen. Frau Dr. Colinas stellte ihre Organisation der „Neuen deutschen Medienmacher“ vor und verwies auf Formulierungshilfen für eine interkulturell-sensible Sprache. Wie man als Organisation Presse- und Öffentlichkeitsarbeit macht, wurde in einem der drei anschließenden Workshops vertieft.

Ein weiteres Workshop-Thema war Mehrfachidentitäten: „Ich bin nicht nur Ungarin, ich bin auch Freiburgerin und Hundehalterin“, so Workshopleiterin Prof. Dr. Naussika Schirilla. Stereotypen, die mit Nationalitäten verbunden sind, kann man reflektieren, indem man sich bewusst macht, wie viele Eigenschaften zur eigenen Identität gehören. Gemeinsame Aktivitäten von Menschen mit und ohne Migrationshintergrund brechen Vorurteile einer homogenen Migrantengruppe. „Also treten Sie in einen Kleingartenverein ein“, so der Imperativ des zweiten Workshops. Wer darüber bereits nachdachte, sich in einem Verein zu engagieren, besuchte den Workshop A von Paulo Cesar, der die Möglichkeit der Partizipation durch Selbstorganisation beinhaltete. Nach der Vorführung der best-practice-Beispiele der samo.fa Migrantenorganisationen im samo.fa-Film diskutierte die Gruppe über Netzwerkstrukturen und die Notwendigkeit eines Dachverbands für Migrantenorganisationen in Freiburg.

Wie wichtig das Thema Migration derzeit ist, sehen wir täglich in den Medien. Dort wird viel zu oft von Politikern ‚über‘ Migration gesprochen. Wichtiger wäre es sich über das Thema mit Menschen mit Migrationsgeschichte zu unterhalten. Dies gelang in der lokalen samo.fa Konferenz in Freiburg.

(Quelle und Bilder: FAIRburg e.V.)

Yaoscar Padilla de Rothmund modierte die lokale Konferenz in Freiburg.

Dr. Carmen Colinas von den Neuen Deutschen Medienmachern leitete den Workshop zur Pressearbeit in Migrant*innenorganisationen.

Paulo Cesar,  Projektkoordinator von MORGEN e.V. München leitete den Workshop zum Thema „Partizipation durch Selbstorganisation“.

Olena Neumann, 1. Vorsitzende Migrantinnen und Migrantenbeirat der
Stadt Freiburg, sprach ebenfalls ein Grußwort.

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