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Interview mit Annika Keup aus Lübeck zum Thema „Wohnen für Alle“

By 26. October 2021

Annika Keup von der Einrichtungsleitung Gemeinschaftsunterkunft Lübeck-Travemünde/Deutsches Rotes Kreuz spricht in einem Interview über die Wohnsituation der Geflüchteten in Lübeck und Diskriminierung auf dem Wohnungsmarkt. Folgende Fragen hat sie beantwortet und gibt damit einen guten Einblick in die Situation der Geflüchteten vor Ort:

Wie wohnen Geflüchtete in Lübeck?
Das ist ganz unterschiedlich. Zunächst werden die Geflüchteten der Gemeinschaftsunterkunft Lübeck Travemünde/Deutsches Rotes Kreuz in der Regel aus den Erstaufnahmeeinrichtungen zugewiesen und zumeist in Gemeinschaftsunterkünften untergebracht. Ein langer Aufenthalt in diesen Einrichtungen ist nicht vorgesehen. Die Möglichkeiten, eine eigene Wohnung zu finden und im hiesigen System Fuß zu fassen, hängen jedoch im Regelfall eng mit dem Status des jeweiligen Geflüchteten zusammen.

Welche Erfahrungen machen Geflüchtete mit Diskriminierungen auf dem Lübecker Wohnungsmarkt?
Auch dies ist nicht pauschal zu beantworten. Manche haben Glück mit den Vermieter*innen, mit denen sie in Kontakt treten. Mir wurden jedoch auch bereits Rückmeldungen vorgelegt, welche von einem adäquaten sowie respektvollen Umgangston weit entfernt sind, was in den meisten Fällen einen großen Rückschlag impliziert und die Menschen einschüchtert, da es ohnehin schwer ist, sich in ein fremdes, unbekanntes System einzuleben. Wenn man sich dazu noch unerwünscht fühlt, erschwert dies den Schritt in das neue Umfeld zusätzlich.

Wie verhalten sich Lübecker Wohnungsgesellschaften?
Hierzu besteht eine Kooperation zwischen der Grundstücksgesellschaft Trave, dem Sozialamt und den Betreuungsträgern. Die Trave sendet uns im Zuge dessen hin und wieder Angebote für Probewohnungen zu. Die Mietverträge laufen zunächst ein Jahr auf Probe, bevor der Vertrag in den meisten Fällen anschließend in einen gängigen Regelvertrag geändert wird. Ansonsten bestehen für Geflüchtete dieselben Möglichkeiten wie für deutsche Staatsbürger*innen, sich bei den Gesellschaften anzumelden und sich auf entsprechende Angebote zu bewerben oder, bei Vorhandensein der dafür relevanten Bedingungen, einen Wohnberechtigungsschein zu beantragen.

Was sagen Politik und Verwaltung zu Diskriminierungen auf dem Lübecker Wohnungsmarkt?
Ziel von Politik und Verwaltung ist die schnelle Integration geflüchteter Menschen. Die Unterkünfte sollen dabei lediglich als Zwischenstation fungieren, Ziel ist der schnelle Auszug aus derselben nach Erlernen des Sprachgebrauchs sowie der Sozialisation im hiesigen System. Abgesehen von der aktuellen Situation auf dem Wohnungsmarkt stehen diesem Grundgedanken jedoch auch zahlreiche politische Aspekte entgegen, so dass sich der Theorie-Praxis-Transfer hierbei schwierig gestaltet.

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