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M. Makulla

Lange Wege und viel Engagement: Bundeskonferenz in München

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Wie können sich Verwaltungen für Migrantenorganisationen öffnen? Wie kann das Engagement von migrantischen Aktiven dauerhaft in den Städten verankert werden – ohne, dass sie ihre Unabhängigkeit verlieren? Und was können alle Akteur*innen gemeinsam tun, um die Hürden auf dem Arbeitsmarkt, im Gesundheits- und Bildungssystem zu überwinden? Die samo.fa Bundeskonferenz 2018 hat zu vielen komplexen Fragen spannende Antworten diskutiert – mit Koordinator*innen, Ehrenamtlichen, Politiker*innen und kritischen Freund*innen aus Gesellschaft und Forschung

 

„Ich helfe jetzt anderen, sich hier im Krankenhaus zurechtzufinden.“ „Seit zwei Jahre berate ich Geflüchtete dabei, wie sie sich an der Uni einschreiben können.“ Zwei Beispiele von vielen, von denen Geflüchtete auf der Bundeskonferenz in München 2018 berichteten. Überall in den 32 samo.fa-Städten engagieren sich in 2018 diejenigen ehrenamtlich in der Migrantenorganisation, in der sie vor einigen Jahren im samo.fa Netzwerk Begleitung auf ihrem Weg in den neuen Alltag fanden – und in dem sie jetzt andere durch ihre Erfahrungen in der jeweiligen Stadtgesellschaft stärken: Ehrenamtliches Engagement, das die Rolle von Migrantenorganisationen beim Ankommen vor Ort überdeutlich macht: Sie können nachhaltig beim Ankommen stützen – und das auch in Zukunft tun, weil durch sie Orte und immer neue Gelegenheiten für Engagement entstehen.

„Ohne Migranten schaffen wir es nicht“, sagt auch Tobias Stapf von Minor Projektkontor Bildung und Forschung, einem interdisziplinärem und interkulturellem Beratungs- und Forschungsunternehmen aus Berlin – eingeladen als kritischer Freund auf dem Plenum „Migrantenorganisationen als Bezugspunkte vor Ort.“ Es ist das Ankommen neuer Migrant*innen – aber auch ein gutes Miteinander in der Stadtgesellschaft, deren Schwierigkeiten sich unter anderem aktuell in Chemnitz, aber auch in Sätzen wie „Migration ist die Mutter aller Probleme“ zeigen. „Wir reden nicht mehr von Integration, sondern über Teilhabe“, gab Wilfried Kruse vom samo.fa-Leitungsteam als selbstbewusste Ansage aus: Gestalten, statt mitgestalten, anerkannter Akteur der Stadtpolitik sein, statt Beiwerk. Und: Für eine Arbeit und eine Rolle anerkannt werden, die Migrantenorganisationen vor Ort bereits ausfüllen.

Was unter Experten anerkannt sein mag, ist im Arbeitsalltag der samo.fa-Aktiven aus Migrantenorganisationen aber noch nicht keine durchgehend selbstverständliche Haltung, die ihnen begegnet. Dauerhafte Strukturen in der Stadt schaffen, nicht von einer Projektförderung zur nächsten planen müssen, um erfolgreiche Arbeit aufrechtzuerhalten war deshalb großes Thema der Konferenz. In Workshops zum Zugang zum Arbeitsmarkt, Gesundheitssystem, zum Wohnen und Leben im Quartier, zur Jugend- und Familienpolitik und zur Arbeit mit geflüchteten Frauen diskutierten die samo.fa-Aktiven der verschiedenen Städte ihre lokalen Ansätze miteinander und den Gästen.

Auch in den World-Cafés des zweiten Konferenztages stand die Erfahrungen der Partner im Zentrum: Wie geht es weiter vor Ort? Wie kann Engagement für Menschen mit Fluchtgeschichte kontinuierlich verankert werden? Die Rolle der Kommunen, ihrer politischen Gremien und Verwaltungen, ist dabei zentral: Denn die Strukturen und Angebote, die samo.fa vor Ort aufgebaut hat, wirken auf das Zusammenleben in der Stadt  – in den Schnittstellen der Verwaltung, die entscheiden kann, sie dauerhaft zu etablieren. Wie viel Unabhängigkeit bleibt dabei für die migrantischen Träger? Was können Migrantenorganisationen selber tun, um ihre Wirksamkeit sichtbar zu machen – und damit in etablierten Institutionen zu überzeugen?

Die Ergebnisse der Workshops und Worldcafés stehen in Kürze hier zum Download bereit.

Menschen mit Fluchtgeschichte: Nicht allein im neuen Alltag

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Menschen mit Fluchtgeschichte: Nicht allein im neuen Alltag

aus der Arbeit von samo.fa „vor Ort“ im Jahr 2018

Überall haben sich die Kooperationsbeziehungen vervielfältigt und ist die Anerkennung der Rolle der Migrantenorganisationen gewachsen. Hier geht es nicht um die beachtlich großen Zahlen der beteiligten Migrantenorganisationen, der Aktiven und der erreichten Geflüchteten, die samo.fa aufweisen kann, sondern um einen kleinen Einblick in das, was vor Ort gemacht wird. Die folgenden Beispiele stammen aus dem Nordosten Deutschlands; aus dem Westen und Süden könnte Ähnliches berichtet werden.

Natürlich werden Aktivitäten fortgesetzt, die sich in den vorangegangenen Jahren schon als nützlich und sinnvoll erwiesen haben. Begleitung zu Ämtern, Arztbesuchen, Sportkursen, Unterstützung bei Wohnungssuche, Nachbarschaftshilfe, wie bei der Brücke der Kulturen in Hildesheim, oder Übersetzungen im Jobcenter wie bei der RAA in Hoyerswerda finden sich an vielen Orten. Freizeitaktivitäten, z.B. Musizieren, Urban Gardening, Ausflüge, Stadtführungen wie im Haus der Kulturen in Lübeck oder der dortige „Männertreff“ gehören ebenfalls zum Repertoire wie Fußball , z. B. beim TGS-H in Kiel und Willkommensabende, nicht nur für Geflüchtete, wie im Haus der Kulturen in Braunschweig.

Die Schwerpunkte im Jahr 2018 spiegeln aber auch den Umstand, dass sich die Geflüchteten nun auf den langen und beschwerlichen Weg in den neuen Alltag aufgemacht haben. Nahezu überall steht nun – nach Deutsch- und Integrationskursen – der Schritt auf den Arbeitsmarkt an. „Immer mehr Flüchtlinge fordern, dass sie ihre Deutschkenntnisse verbessern müssen, damit sie leichter einen Arbeitsplatz finden“, stellen die Mitarbeiter von MEPa, dem samo.fa-Partner in Potsdam, fest. Und reagieren darauf mit verstärkten Aktivitäten. Dasselbe auch in Halle (Saale), wo es in der SprachWerkstatt des dortigen Partners VeMo e.V. um Fragen und Begriffe des Arbeitsmarktes geht. Sprachcafés und Sprachförderung gibt es an vielen  Orten, wobei z.B. das Haus der Kulturen, der samo.fa-Partner in Lübeck von Beginn an Sprachförderung für alle angeboten hat, unabhängig von ihrem Aufenthaltsstatus.

Die Anforderungen des Arbeitsmarktes schieben sich immer mehr nach vorn. Dies ist zu erkennen am Bewerbungstraining: Von der Arbeitssuche bis Vertragsabschluss bei Tutmonde in Stralsund, an Wochenend-Seminaren „Flüchtling ist kein Beruf“ und „Türen öffnen“ bei MISO in Hannover, aber auch an „Internet für Jobsuche“ in Potsdam und dem PC-Kurs in Hoyerswerda.

 Allerdings scheint auch der Verbraucherschutz zu einem wichtigen Thema geworden zu sein, wie z.B. in Halle, aber auch im Sinne der Weiterbildung für Aktive/Ehrenamtliche in Hoyerswerda und anderswo. Insgesamt steigt bei den Aktiven die Nachfrage nach spezifischen Weiterbildungen, denn der neue Alltag der Geflüchteten wirft ganz unterschiedliche und differenzierte Fragen auf, die die Kenntnisse der Ehrenamtlichen überschreiten.

Nun kommt es auf „Verweisungswissen“ an: Nicht jeder muss alles wissen, aber hilfreich ist zu wissen, wohin man sich wenden kann, um Antworten und Unterstützung zu bekommen, denn zahlreiche Organisationen, Beratungsstellen und Fachpartner stehen mit Rat und Tat zur Seite. Solche Angebote gibt es von vielen samo.fa-Partnern, sei es Gewaltprävention für Frauen oder zum Islam in Deutschland, wie in Halle, sei es Zugang zu Ausbildung und Arbeit in Hannover.

Eine besonders bemerkenswerte Entwicklung, die sich im Jahr 2018 zeigt, ist: Menschen, die erst vor kurzem hierher geflüchtet sind, werden selbst aktiv. So sind z.B. 13 der 14 Ehrenamtlichen, die in Hoyerswerda tätig sind, selbst Geflüchtete. Bei Afropa e.V. in Dresden haben Geflüchtete aus Eritrea und Afghanistan selbstorganisierte Arbeitsgruppen angeregt und begleiten sie, in Berlin werden Geflüchtete weitergebildet, damit sie als „Lotsen“ auch bei der ersten Orientierung auf dem Arbeitsmarkt helfen können.

Schließlich sind Migrantenorganisationen – auch vermittelt über samo.fa – nahezu überall zu wichtigen Gesprächspartnern im Rahmen der kommunalen Flüchtlingsarbeit geworden, so z.B. durch Beteiligung an der Fachgruppe Arbeit der Arbeitsagentur in Halle oder dem Arbeitskreis Flucht und Migration der Stadt Hildesheim, in dem es um die Entwicklung eines neuen kommunalen Integrationsplans ging, oder auch in Lübeck in enger Zusammenarbeit mit kommunaler Arbeitsstelle für Ehrenamtliche in der Flüchtlingsarbeit.

Dr. Wilfried Kruse, Projektleitungsteam samo.fa, 11. September 2018

Pressemitteilung: Münchner Samo.fa-Bundeskonferenz 2018 thematisiert die Herausforderungen Geflüchteter bei der Integration

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Pressemitteilung

Was brauchen Geflüchtete in ihrem neuen Alltag?

Münchner Samo.fa-Bundeskonferenz 2018 thematisiert die Herausforderungen Geflüchteter bei der Integration

Was brauchen Geflüchtete, um erfolgreich im neuen Alltag in der Bundesrepublik anzukommen?  Dieser Frage widmet sich die samo.fa-Bundeskonferenz  am 14. und 15. September 2018 zum Rahmenthema „Menschen mit Fluchtgeschichte. Auf dem langen Weg in den Alltag. Migrantenorganisationen an ihrer Seite“. Ort der Veranstaltung ist die Hanns-Seidel-Stiftung in der Lazarettstraße 33, 80636 München. Die Konferenz wird veranstaltet vom Bundesverband Netzwerke von Migrantenorganisationen mit seinem bundesweiten Projekt samo.fa  (Stärkung der Aktiven aus Migrantenorganisationen in der Flüchtlingsarbeit) und seinem Münchner Partner MORGEN e.V. Netzwerk Münchner Migrantenorganisationen. Das Besondere an samo.fa ist, dass das Projekt  vollständig von Migrantenorganisationen getragen wird. In 32 Städten beteiligen sich mehr als 500 migrantische Vereine und Initiativen und mehr als 9.000 Ehrenamtliche.

Nach der Begrüßung durch die Organisatoren ab 13:30 Uhr und einem einführenden Impulsvortrag des Soziologen Prof. Dr. Ludger Pries von der Ruhr-Universität Bochum bietet die Bundeskonferenz diverse Workshops zur übergreifenden Frage, was Geflüchtete zur erfolgreichen Bewältigung ihres Lebensalltags benötigen – und an welchen Stellen sie dabei auf Hürden stoßen: Wohnsituation und Kindererziehung, Ausbildungsmöglichkeiten, Spracherwerb, Gesundheit und die Situation der Frauen stehen im Blickpunkt. Unerlässlich für die erfolgreiche Integration ist das vielfältige Engagement der Migrantenorganisationen in der Flüchtlingsarbeit, deren Aktive sich durch ihre eigene Migrationsgeschichte als „Lotsen“  für Geflüchtete verstehen, die viele soziale Risiken abfedern.

Parallel zum fachlichen Austausch verfolgt die Konferenz das Ziel, die zahlreichen samo.fa- Aktivitäten in 32 Städten mit rund 9.000 Ehrenamtlichen und mehr als 500 beteiligten migrantischen Organisationen nachhaltig zu etablieren. Denn: Der Weg in den neuen Alltag ist noch lange nicht abgeschlossen und die Erfahrungen der lokalen Projekte zeigen, dass es noch viele Integrationshürden in Deutschland gibt. „Wir treffen uns, um unser Wissen in der Flüchtlingsarbeit miteinander zu teilen und im Dialog mit Vertreterinnen und Vertretern aus Politik, Gesellschaft und Forschung auszutauschen“, sagt Dr. Ümit Koşan, Vorstandsvorsitzende des BV NeMO e.V. und im Leitungsteam von samo.fa. „Ob Integration gelingt, hängt entscheiden davon ab, ob es den Menschen mit Fluchtgeschichte gelingt, den Aufbau eines neuen Alltags zu bewältigen.“

Dass sich dieser Aufwand lohnt, zeigt der bisherige Erfolg: Bundesweit besuchten im Jahr 2017 mehr als 100.000 Menschen Samo.fa-Veranstaltungen. Dieses bemerkenswerte Engagement soll künftig noch breitere Unterstützung aus Politik und Gesellschaft finden. Die rassistischen Angriffe in Chemnitz zeigten, wie wichtig es ist, dass das Engagement von Migrant*innen als Teil der gesellschaftlichen Realität sichtbarer wird. „Für ein gutes Zusammenleben vor Ort ist der Dialog mit allen Akteuren der Stadtgesellschaft zentral“, sagt Koşan. „Die Herausforderungen der Integration lassen sich nur gemeinsam bewältigen.“

Das gesamte Programm der Bundeskonferenz gibt es hier als Download.

Samo.fa ist ein bundesweites Netzwerk mit Koordinierungsstellen in 32 Städten, das von der Beauftragten der Bundesregie-rung für Migration, Flüchtlinge und Integration gefördert wird. Es wurde 2016 durch den Bundesverband Netzwerke von Migrantenorganisationen (NeMO) ins Leben gerufen. Es verbindet Menschen mit Migrationsgeschichte und koordiniert ihr Engagement bei der Unterstützung von Geflüchteten. Ziel ist es, diesen eine gleichberechtigte Teilhabe in allen Bereichen des lokalen und kommunalen Lebens zu ermöglichen. Das Kürzel „Samo.fa“ steht daher für die Stärkung von Aktiven aus Migrantenorganisationen in der Flüchtlingsarbeit.

MORGEN e.V. Netzwerk Münchner Migrantenorganisationen ist ein 2013 gegründeter, freiwilliger Zusammenschluss Münchner Migrantenorganisationen. Das Netzwerk fördert gleichberechtigte Teilhabe und aktives Engagement lokaler Migrantenorganisationen. Der Verein vernetzt seine Mitglieder untereinander und bringt sie mit Vertretern aus der Politik, Verwaltung, Wirtschaft und Zivilgesellschaft zusammen. Die mehr als 70 Mitgliedsvereine leisten täglich Integrationsarbeit für Migranten und Geflüchtete in mehr als 30 Sprachen. Seit Herbst 2016 ist MORGEN e.V. in der Regelförderung der Landeshauptstadt München. Weitere Informationen: www.morgen-muenchen.de.

Pressekontakt: Miriam Bunjes, Bundesverband Netzwerke von Migrantenorganisationen e.V. (NeMO), Haus der Vielfalt, Beuthstraße 21, 44147 Dortmund, Tel.: 0231 28678 164, Fax: 0231 28678 166, presse@bv-nemo.de

 

Pressemitteilung: Geflüchtete: Noch nicht wirklich im neuen Alltag angekommen – 6 Besonders viele Integrationshürden für Kinder und Jugendliche

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Geflüchtete: Noch nicht wirklich im neuen Alltag angekommen – 6
Besonders viele Integrationshürden für Kinder und Jugendliche

Dortmund, 30. August 2018. Für geflüchtete Kinder und Jugendliche gibt es auf den Weg in den Alltag in Deutschland viele Risiken. Das beobachten bundesweit Migrantenorganisationen, die in 32 verschiedenen Städten im samo.fa Projekt des Bundesverbandes Netzwerke von Migrantenorganisationen e.V. (BV NeMO) mit Geflüchteten arbeiten. Samo.fa steht für Stärkung der Aktiven aus Migrantenorganisationen in der Flüchtlingsarbeit.
Das Risiko, im Bildungssystem zu scheitern oder dort viele Schwierigkeiten zu haben, ist für Kinder und Jugendliche mit Fluchtgeschichte erheblich – insbesondere für unbegleitete Minderjährige. Das deutsche Bildungssystem sortiere sehr früh. „Hierbei spielt sozialer Status eine große Rolle“, sagt Gülişah Özdoganlar, samo.fa-Koordinatorin in Bielefeld. Für Geflüchtete ist das ein großer Nachteil.

Zumal Kinder mit Migrationsgeschichte weniger Bildungserfolg haben, zeigen einschlägige Studien. „Auf Kinder, die aus einem ganz anderen Schulsystem kommen, ist das Bildungssystem noch immer nicht gut eingestellt“, sagt die Diplom-Pädagogin, die seit vielen Jahren mit unbegleiteten Jugendlichen arbeitet. „Obwohl sich alle Integration und Inklusion auf die Fahnen schreiben, klappt Förderung in heterogenen Gruppen oftmals schlecht.“ Die Kinder und Jugendlichen seien dann schnell „schlecht in der Schule“ und würden nach unten durchgereicht. Besonders für die älteren Jugendlichen ist das problematisch, beobachtet Özdoganlar. „Ohne Abschluss und Erfolge hängen sie auf der Straße herum, verlieren Ziele aus dem Blick und sind gefährdet, sich von schwierigen Peer-Gruppen beeinflussen zu lassen.“ Denn: Be-sonders den unbegleiteten Kindern und Jugendlichen – aber auch denen, die mit Verwandten gekommen sind – fehle im neuen Alltag zunächst sozialer Zusammenhalt.

Migrantenorganisationen können diesen Zusammenhalt bieten: Zum einen durch Aktivitäten wie Sport- und Kulturangebote, in denen geflüchtete mit anderen Jugendlichen aus dem Stadtteil in Kontakt kommen. „Außerdem begegnen sich in den Räumen der lokalen Vereine auch verschiedene Generationen“, sagt die Koordinatorin vom lokalen Verbundspartner BINEMO. Das sei gut, denn vielen geflüchteten Kindern fehle der enge Kontakt zu ihren eigenen Großeltern. „Es tut ihnen auch gut, Menschen aus ihrer Herkunftskultur zu treffen, die den langen Weg in den deutschen Alltag bereits erfolgreich beschritten haben.“ Zudem lernten zum Beispiel Jugendliche aus streng muslimischen Ländern bei Migrantenorganisationen, dass zum Muslimisch-Sein in Deutschland auch selbstbewusste berufstätige Frauen gehören – mit oder ohne Kopftuch.

Diese Lotsenfunktion ist das Besondere an samo.fa: Das bundesweite Projekt wird von Migrantenorganisationen getragen und umgesetzt. Deren aktive Ehrenamtliche unterstützen
beim Ankommen in der Stadtgesellschaft – und arbeiten dabei eng mit anderen Organisationen und Kommunen vor Ort zusammen. Deutschlandlandweit beteiligen sich mehr als 500 migrantische Vereine und Initiativen und 9.000 Ehrenamtliche am Projekt, das seit 2016 vom BV NeMO durchgeführt wird. Durch ihre eigenen Migrationserfahrungen können sie Neuangekommene besonders einfühlsam und qualifiziert begleiten. „Für Neuangekommene ist vor allem die Stadtteilarbeit von samo.fa wichtig“, sagt Gülişah Özdoganlar. „Sie brauchen Kon-takte zu Stadtteilbewohnern sowie Orte, an denen sie sich treffen können und für Unterstützung erreichbar sind.“ Deswegen hat sich das Bielefelder Netzwerk der Migrantenorganisationen in 2018 insbesondere auf stadtteilorientierte Bildungsangebote konzentriert.

In den 32 samo.fa Städten bieten die Partner Kindern und Jugendlichen – und auch ihren Eltern – Räume für Begegnungen und Aktivitäten. „Die Ehrenamtlichen können den Eltern auch besonders gut das deutsche Schulsystem erklären, weil sie es in all seinen Ausprägungen aus eigener Erfahrung kennen – und eben oft auch die Unterschiede zum Bildungssystem der Herkunftsländer“, sagt Özdoganlar. Im dritten Jahr nach dem Flüchtlingssommer hätte sich in den samo.fa-Städten unter den Geflüchteten auch schon ein eigenständiges „Wissensnetzwerk“ zum Thema Schule entwickelt: „Die Informationen und wo man noch genauer nachfragen kann, sprechen sich herum.“
Auf der bundesweiten samo.fa Konferenz mit Projektpartnern und Vertreter*innen aus Stadt, Landes- und Bundespolitik und Zivilgesellschaft am 14./15. September in München wird Bilanz gezogen: Wie kann die erfolgreiche Arbeit der Migrantenorganisationen vor Ort weiter-geführt werden?

Die Pressemitteilung als PDF downloaden. 

Das Programm der Bundeskonferenz finden Sie hier zum Download.

Pressekontakt: Miriam Bunjes 0231-286 78 764, presse@bv-nemo.de

Pressekontakt samo.fa Bielefeld: Gülişah Özdoǧanlar 0521-329 7090, samo-fa_bielefeld@gmx.de, mehr Informationen über BINEMO unter www.bi-nemo.de.

Pressemitteilung: Geflüchtete: Noch nicht wirklich im neuen Alltag angekommen 4 – Auch Rassismus gehört für Geflüchtete zum deutschen Alltag

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Geflüchtete: Noch nicht wirklich im neuen Alltag angekommen – 4

Auch Rassismus gehört für Geflüchtete zum deutschen Alltag

 Dortmund, 16. August. Das gesellschaftliche Klima ist überall in Deutschland schwieriger geworden: Für Geflüchtete, für diejenigen, die sich für sie und mit ihnen engagieren – und generell für Menschen mit Migrationsgeschichte.

„Vor allem der antimuslimische Rassismus hat zugenommen“, sagt Sara Djahim, Referentin für Antidiskriminierung im Bundesverband Netzwerke von Migrantenorganisationen e.V. Auch die aktuelle Debatte um asylpolitische Fragen, in der oftmals  Zuwanderung als Gefahr erscheine, trage zur Verunsicherung  bei. Dagegen helfe Betroffenen vor allem die Unterstützung von anderen Betroffenen. Deshalb bietet der Bundesverband Netzwerke von Migrantenorganisationen in samo.fa-Projektstädten Empowermentworkshops an. Der Bundesverband ist Träger von samo.fa und organisiert das Projekt seit 2016. Die Abkürzung samo.fa steht für Stärkung der Aktiven aus Migrantenorganisation in der Flüchtlingsarbeit. Hier haben sich Aktive aus Migrantenorganisationen mit anderen lokalen Akteuren bundesweit vernetzt, insgesamt sind 500 migrantische Organisationen in 32 Städten beteiligt.

„Aktive aus Migrantenorganisationen sind durch ihre eigenen Erfahrungen mit Rassismus, Diskriminierung und auch mit dem Ankommen in Deutschland besonders sensibel im Umgang mit dem Thema und mit Betroffenen“, sagt Djahim. „Vor allem können sie ganz genau an die Bedarfe der einzelnen und die Besonderheiten vor Ort anknüpfen.“ Strategien gegen Rassismus und Diskriminierung seien sehr individuell, so die Referentin. „Menschen können lernen, eine persönliche Haltung zu Hass und Ablehnung zu finden und Halt in ihren Communities finden.“ Das stärke die Betroffenen und hätte Ausstrahlung auf andere.

Das samo.fa-Projekt unterstützt Geflüchtete auf diese Weise z.B. auch in Leipzig: „Durch unser Netzwerk können wir Erfahrungen im Umgang mit Rassismus sammeln und weitergeben “, erklärt Miguel Ruiz,  lokaler Koordinator. „Als Migrantenorganisationen bemühen wir uns außerdem, auch mit anderen Trägern und Initiativen zusammenzuarbeiten, damit Begegnungsräume entstehen und erhalten bleiben. Diese sind für eine Sensibilisierung für das Thema und zum Abbau von Vorurteilen hilfreich.“ Workshops zur Demokratiebildung oder zum Umgang mit Diskriminierung sind solche Begegnungsräume.

Leipzig ist ein Beispiel dafür, wie Kooperationen das gesellschaftliche Zusammenleben einer Stadt verbessern können – und dabei auch die Interessen von Menschen mit Fluchtgeschichte einbringen, die sich auf den langen Weg in den neuen Alltag in Deutschland befinden.

Ein Ziel des laufenden dritten Projektjahres von samo.fa  ist es, Geflüchtete darin zu unterstützen, an den Einrichtungen, Leistungen und dem gemeinschaftlichen lokalen Leben gleichberechtigt teilzuhaben. Sie sollen darin bestärkt werden, Schwierigkeiten zu bewältigen, nicht den Mut zu verlieren und das eigene neue Leben bewusst in die Hand zu nehmen.  Es geht außerdem um eine langfristige Verankerung der Rolle der Migrantenorganisationen in der lokalen Flüchtlingsarbeit. Dafür laufen seit Mai im ganzen Land lokale Konferenzen, an denen Akteure der Stadtgesellschaft über nachhaltige Kooperationsmöglichkeiten diskutieren.

Auf der bundesweiten samo.fa-Konferenz am  14./15. September in München  mit allen Projektpartner*innen und Vertreter*innen aus Stadt-, Landes- und Bundespolitik und Zivilgesellschaft wird Bilanz gezogen: Wie kann die erfolgreiche Arbeit der Migrantenorganisationen vor Ort weitergeführt werden?

Hier gibt es Projektergebnisse.

Die Pressemitteilung als PDF downloaden. 

Ansprechpartner Leipzig: MEPa e.V. http://www.samofa.de/leipzig/; Miguel Angel Ruiz Martínez unter 016091525479 und Marisa Sanchez unter 017668509305.

Mehr Informationen über den Bundesverband Netzwerke von Migrantenorganisationen e.V. unter: www.bv-nemo.de

Pressekontakt: Moritz Makulla 0231-286 78 164,  presse@bv-nemo.de

Flüchtlingsarbeit am Scheideweg. Bundesnetzwerktreffen am 27. Juni 2018 in Dortmund

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Zentrales Thema beim Sondertreffen des samo.fa-Netzwerkes am 27. Juni 2018 im Haus der Vielfalt der Vielfalt in Dortmund war die nachhaltige Verankerung der Arbeit mit Geflüchteten vor Ort: Wie können die Angebote auch nach 2018 weitergehen? Auf welchen strukturellen Ebenen lassen sich Kooperationen aushandeln und wie können andere Akteure angesprochen und von Kooperationen überzeugt werden – in einem sich veränderndem gesellschaftlichen und politischen Klima? „Auch kleine Finanzierungen von Kommunen und anderen Trägern sind dabei wichtig“, betonte Dr. Wilfried Kruse vom Projektleitungsteam. „Sie bedeuten neben dem Fortbestand eines Puzzlestückes im Angebot, dass Migrantenorganisationen als Player wahrgenommen werden und ihre Stimme in der Stadt ein Gewicht hat.“

Best Practice Beispiele von Kooperationen der lokalen Projekte der verschiedenen Städte werden auf der bundesweiten Konferenz am 14./15. September in München vorgestellt. Deren Abläufe waren auch ein weiteres wichtiges Thema des Arbeitstreffens. Eine Checkliste zur nachhaltigen Verankerung vor Ort und eine Analyse der künftigen Herausforderungen in der Arbeit mit und für Menschen mit Fluchtgeschichte stehen ab sofort im internen Bereich zur Verfügung. Auch Beispiele für getroffene schriftliche Vereinbarungen und erfolgreiche Projektanträge werden hier ab sofort regelmäßig aktuell eingestellt – um die Erfahrungen der anderen Netzwerkpartner erfolgreich füreinander nutzen zu können.

„Gemeinsam im Alltag“ in Hoyerswerda

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Die 2. lokale Konferenz in Hoyerswerda fand unter dem Motto „Integration vor Ort im Dialog: Wie gelingt Alltagsbewältigung und Nachhaltigkeit in Hoyerswerda?“ am Weltflüchtlingstag  im Jugendclubhaus „OSSI“ statt. Sie brachte ca. 70 Personen aus unterschiedlichsten Bereichen zusammen in den Dialog. Neben kommunalen Vertreter*innen wie der Bürgermeister und der Geschäftsführer des AWO Kreisverband Lausitz e.V. , lobte Wilfried Kruse (wissenschaftlicher Begleiter des Projektes samo.fa) die Arbeit der Ehrenamtlichen und die gute Kooperation innerhalb der Stadt. Er betonte zudem über die Besonderheiten einer Kleinstadt wie Hoyerswerda, umgeben von anderen samo.fa-Partnerstädten wie Berlin, München oder Dortmund.

Bemühungen um die Fortführung des Projektes wurden aufgezeigt und die Aktiven kamen ebenfalls zu Wort, als es um das Thema „Rechenschaftslegung“ ging. Neben den samo.fa-Ehrenamtlichen besuchten ca. 30 Geflüchtete (ohne Berücksichtigung der Kinder, für die eine tolle Kinderbetreuung mit Basteln, Filmschauen, Geschichtenvorlesen und Spielen organisiert wurde) sowie Expert*innen aus unterschiedlichsten Bereichen, z.B. DaZ-Lehrerinnen, Kita-Leiterinnen, Mitarbeiterinnen des Landratsamtes, aber auch des Jobcenters und der Arbeitsagentur u.v.m. die Veranstaltung.

Es fanden drei parallele Workshops statt, die sich den Themen „Eintritt ins Erwerbsleben“ und „Informationen für (werdende) Eltern“ widmeten. Nach kurzen, sprachlich einfach aufbereiteten Expert*inneninputs gab es Diskussionen beispielsweise über die Themen Wichtigkeit von Kita, Pflichten in der Schulzeit oder der Stellenwert von Ausbildung, um der gleichberechtigten Teilhabe von Geflüchteten im Alltag Rechnung zu tragen. Um auf die unterschiedlichen Workshops vorzubereiten, hat die Leiterin der pädagogischen Werkstatt aus dem Programm „Ein Quadratkilometer Bildung“ das sächsische Bildungssystem sowie einen mehrsprachigen Stadtplan für Kinder und Eltern allen Teilnehmer*innen vorgestellt. Dieser wurde am Ende der Veranstaltung den Gästen überreicht. 2017 fanden schon einmal mit Einsatz des Stadtplans Projekttage mit Grundschüler*innen zum Thema „Meine Stadt auf einen Blick“ statt, die samo.fa-Ehrenamtliche sowie die Lokalkoordinatorin aktiv mitgestalteten.

In der Pause sowie in der Ankommensphase boten sich verschiedene Möglichkeiten des Austausches: Informationsstände, betreut durch Mitarbeiter*innen des Projektes „samo.fa“, des Bürgerbündnisses „Hoyerswerda hilft mit Herz“, des Ausländeramtes, der Verbraucherzentrale, der RAA, des Projektes „AkzepTANZ“ und ein Tisch mit allgemeinen Informationen haben zum gegenseitigen Austausch und zum Netzwerken angeregt. Der samo.fa-Film konnte ebenso angeschaut werden.

Der Einladung zur Konferenz sind viele gefolgt, Foto: Yousra Naddaf

samo.fa-Aktive und die Lokalkoordinator*innen David Bohla und Cindy Paulick berichten über ihre Arbeit, Foto: Yousra Naddaf

Kommunale und landkreisangehörige Vertreter*innen nahmen an der Konferenz teil, Foto: Yousra Naddaf

Partner vor Ort    III