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Pressemitteilung: Geflüchtete: Noch nicht wirklich im neuen Alltag angekommen 1

By 26. Juli 2018

Geflüchtete: Noch nicht wirklich im neuen Alltag angekommen – 1

Bundesweites Netzwerk macht auf Integrationshürden aufmerksam

Dortmund, 26. Juli 2018. Drei Jahre nach dem „Flüchtlingssommer“ 2015 zeigt sich: Der Weg der Geflüchteten, die hierbleiben, in ihren neuen Alltag ist lang und schwierig. „Dies gerät angesichts der aufgeheizten öffentlichen Diskussion leicht aus dem Blick – mit Risiken für die Betroffenen, aber auch für die Gesellschaft insgesamt“, sagt Dr. Wilfried Kruse aus dem Leitungsteam des im dritten Jahr laufenden Projekts samo.fa (Stärkung der Aktiven aus Migrantenorganisationen in der Flüchtlingsarbeit) des Bundesverbandes Netzwerke von Migrantenorganisationen (BV NeMO e.V.) Der Bedarf dieser Menschen mit Fluchtgeschichte an zugewandter Beratung und Begleitung ist sogar gestiegen, zeigen die Erfahrungen aus den bundesweit 32 Städten, in denen samo.fa das Engagement Ehrenamtlicher aus Migrantenorganisationen in der Flüchtlingsarbeit unterstützt. „Gleichzeitig steigt auch das Risiko zunehmender Frustration“, sagt der Dortmunder Sozialforscher Kruse. „Denn der Prozess des Ankommens ist noch lange nicht abgeschlossen.“

Eine der größten Barrieren für das wirkliche Ankommen Geflüchteter in der deutschen Gesellschaft sieht auch das bundesweite samo.fa -Netzwerk im angespannten Wohnungsmarkt. „Hier gibt es keine Aussicht auf schnelle Lösungen“, sagt Dr. Wilfried Kruse. Auch auf dem Arbeitsmarkt sind die wenigsten schon angekommen, jedenfalls, wenn es um stabile legale Beschäftigung mit ausreichender Bezahlung geht. Schwierigkeiten bereiten zudem weiterhin die Zugänge zum Gesundheits- und Bildungssystem, zeigt die Projektauswertung. Und: Überall berichten in der Flüchtlingsarbeit Aktive von Diskriminierungs- und Rassismuserfahrungen in einem insgesamt schwieriger werdendem gesellschaftlichen Klima. Auch leben viele Geflüchtete – trotz bereits längerem Aufenthalt in Deutschland – mit unsicherem Aufenthaltsstatus und der Ungewissheit, wann und ob ihre Familienangehörigen nachkommen werden. „Existenzielle Unsicherheiten bestimmen das Leben vieler Geflüchteter“, sagt Kruse. „Es bestehen erhebliche Risiken, auf dem Weg in den Alltag zu scheitern und in einer prekären Lebenslage zu bleiben.“

Migrantenorganisationen und ihre aktiven Ehrenamtlichen übernehmen in den samo.fa-Projekten vor Ort eine Lotsenfunktion beim Ankommen in der Stadtgesellschaft und beim Abfedern von Risiken – in enger Zusammenarbeit mit anderen Organisationen und mit den Kommunen. Das Besondere: Samo.fa wird von Migrantenorganisationen getragen und umgesetzt. Deutschlandweit beteiligen sich mehr als 500 migrantische Vereine und Initiativen in 32 Städten am Projekt, das seit 2016 vom Bundesverband Netzwerke von Migrantenorganisationen e.V. durchgeführt und von der Beauftragten der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration gefördert wird. Seitdem haben sich vor Ort Aktive aus Migrantenorganisationen in der Flüchtlingsarbeit miteinander und mit anderen Akteuren aus ihrer Kommune vernetzt und Migrantenorganisationen zu Verbünden zusammengeschlossen. Ihre Veranstaltungen und Angebote nutzten allein in 2017 mehr als 100.000 Menschen. Durch ihre eigenen Migrationserfahrungen und interkulturellen Kompetenzen konnten und können diese Ehrenamtlichen die Neuangekommenen beim langen Weg in den Alltag besonders einfühlsam und qualifiziert begleiten – so die Kernidee von samo.fa. Das Grundprinzip: Die Migrantenorganisationen arbeiten herkunftsübergreifend miteinander, vernetzen ihre unterschiedlichen Fähigkeiten und Angebote für das gemeinsame Anliegen: Dort, wo sie selbst leben und wohin nun neue Geflüchtete gekommen sind, wollen sie dazu beitragen, die Lebensverhältnisse der Menschen mit Migrations- und Fluchtgeschichte zu verbessern und sie „auf Augenhöhe“ mitgestalten. „Würde das Engagement von Aktiven aus Migrantenorganisationen in der nächsten Zeit stark zurückgehen, hätte dies negative Auswirkungen für Integration und Teilhabe der Geflüchteten auf ihrem langen Weg in einen normalen neuen Alltag“, sagt auch Dr. Ümit Koşan, Vorsitzender des BV NeMOs und Teil des dreiköpfigen samo.fa-Leitungsteams. „Ziel des laufenden dritten Projektjahres ist es vor allem, die Unterstützung nahe beim Alltagsleben der Menschen mit Fluchtgeschichte stabil zu machen und eine langfristige Verankerung und die Anerkennung der Rolle der Migrantenorganisationen in der lokalen Flüchtlings-arbeit zu erreichen. Dafür laufen seit Mai im ganzen Land lokale Konferenzen, an denen Akteure der Stadtgesellschaft über nachhaltige Kooperationsmöglichkeiten diskutieren.

Auf der bundesweiten samo.fa Konferenz mit Projektpartnern und Vertreter*innen aus Stadt-, Landes- und Bundespolitik und Zivilgesellschaft am 14./15. September in München wird Bilanz gezogen: Wie kann die erfolgreiche Arbeit der Migrantenorganisationen vor Ort weitergeführt werden?

Hier gibt es Projektergebnisse.

Die Pressemitteilung als PDF downloaden.

 

Mehr Informationen über den Bundesverband Netzwerke von Migrantenorganisationen e.V. unter: www.bv-nemo.de
Pressekontakt: 0231-286 78 754, presse@bv-nemo.de

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